Was ist ernährungspsychologische Beratung? Warum Wissen allein nicht reicht
- Jessica H.
- 15. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Jan.

„Ich weiss eigentlich genau, was gesund ist – ich schaffe es nur nicht, es umzusetzen.“
Kommt dir dieser Satz bekannt vor? Die meisten meiner Klient:innen kommen nicht zu mir, weil sie nicht wissen, dass Brokkoli gesünder ist als Pizza. Sie kommen, weil zwischen dem Wissen im Kopf und dem Essverhalten im Alltag eine unsichtbare Barriere liegt.
Genau hier setzt die ernährungspsychologische Beratung an. Sie verbindet Ernährungswissen mit psychologischen Erkenntnissen darüber, wie Essverhalten entsteht, was es aufrechterhält und wie nachhaltige Veränderung wirklich gelingt.
Der Grundgedanke der ernährungspsychologischen Beratung
Die Ernährungspsychologie geht davon aus, dass wir Menschen von Natur aus versuchen, ein Ungleichgewicht in unserem Leben auszugleichen.
Fehlen uns Zeit, Anerkennung, Erholung, emotionale Nähe oder Sinn, entsteht ein inneres Defizitgefühl. Dein Gehirn greift dann häufig auf Essen zurück als logische Überlebensstrategie, um unangenehme Gefühle schnell zu regulieren. Essen kann beruhigen, trösten, ablenken oder Leere füllen.
Was kurzfristig hilft, kann langfristig jedoch zu Übergewicht, emotionalem Essen, Essverhaltensproblemen oder einem permanenten Kampf mit dem eigenen Körper führen.
Worum geht es in der ernährungspsychologischen Beratung konkret?
In der ernährungspsychologischen Beratung betrachten wir nicht nur Kalorien, Makronährstoffe oder Ernährungspläne, sondern das gesamte System rund ums Essen.
Die Beratung ist ein aktiver Prozess, in dem du lernst, dich selbst besser zu verstehen. Gemeinsam arbeiten wir unter anderem an:
Auslöser & Essmuster
Wann esse ich – und warum? (Hunger, Stress, Emotionen, Gewohnheit, Belohnung, soziale Situationen)
Gedanken & innere Bewertungen
z. B. „Ich war brav/schlecht“, „Jetzt ist es eh egal“, „Mir fehlt Disziplin“
Körpersignale
Hunger, Sättigung, Appetit, Cravings – und wie du sie wieder verlässlich wahrnehmen lernst
Alltag & Umfeld
Schlaf, Stresslevel, Arbeitsrhythmus, Familienstrukturen, Einkauf & Essensumgebung
Nachhaltige Verhaltensänderung
Statt rigider Regeln entwickeln wir konkrete, umsetzbare Schritte, die zu deinem Leben passen – für eine langfristige Veränderung, die sich gut anfühlt.
Der Unterschied zwischen Diät und ernährungspsychologischer Beratung
Natürlich basiert die Beratung auf aktuellen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Doch eines wirst du hier nicht finden: strenge Verbote.
Verbote führen in der Psychologie fast immer zu Heisshunger und Kontrollverlust.
In der ernährungspsychologischen Beratung geht es stattdessen um ein flexibles, selbstbestimmtes Essverhalten.
Das Ziel ist nicht perfekte Disziplin, sondern Essfreiheit:
Dass du selbst entscheidest, was du isst – und nicht deine Impulse oder Regeln für dich entscheiden.
Für wen ist ernährungspsychologische Beratung sinnvoll?
Diese Form der Beratung ist besonders geeignet für Menschen, die weniger Regeln und mehr Selbstwirksamkeit entwickeln möchten. Sie ist sinnvoll, wenn du:
dich im Kreislauf aus Diäten und Jojo-Effekten gefangen fühlst
zu emotionalem Essen neigst (Stress-, Frust- oder Belohnungsessen)
ein angespanntes Verhältnis zu deinem Körperbild hast
wieder mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen essen möchtest
Was du als Ergebnis erwarten kannst
Es geht nicht um „perfektes Essen“, sondern um:
mehr Handlungsspielraum statt Zwang und Verbote
mehr Körperkompetenz (Hunger, Sättigung, Bedürfnisse)
bessere Gefühls- und Stressregulation ohne Essen als einziges Ventil
alltagstaugliche Routinen, die wirklich zu dir passen
Langfristig entsteht eine stabilere, freundlichere Beziehung zu Essen – und zu dir selbst.
Wenn du merkst, dass dich Regeln eher blockieren als unterstützen und du ständig zwischen Kontrolle und Kontrollverlust pendelst, kann ernährungspsychologische Beratung ein wirksamer nächster Schritt sein.
Du musst nicht mehr Disziplin lernen.
Du darfst lernen, dir selbst wieder zu vertrauen.
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